Zion Canyon Blog Titel

Von der Verwandlung des Zion Canyon in einen Park des Grauens

Wir schreiben das Jahr 2018, es ist ein sonniger Wochentag im Mai. Von unserer Basis in Kanab aus haben wir einen schönen Hike im Zion Canyon geplant. Der Zion National Park gehört mit seinen dramatisch senkrechten Sandsteinwänden, wunderschönen Canyons und unzähligen Möglichkeiten für Wanderungen jeder Länge zu unseren Favoriten im Südwesten.

Blick über den Zion Canyon vom Observation Point

Blick über den Zion Canyon vom Observation Point

Dank einer sehr erfolgreichen Werbekampagne Utahs und dem Segen und Fluch von Social Media ist insbesondere die Wanderung auf den Gipfel von Angels Landing anscheinend ein Must-Do auf der Bucket List von jedem Zion-Besucher. Die Wanderung auf dem Felsgrat ist eine der wenigen Routen, bei der man ohne Ausrüstung einen derart ausgesetzten Trail begehen kann. Streckenweise befinden sich beidseitig rund 500 m senkrecht abfallende Abgründe.

Unser Ziel ist nicht Angels Landing, sondern der West Rim Trail an sich. Was viele Besucher des Parks nicht wissen: als Angels Landing Trail wird nur der Teil auf dem Felsgrat ab Scout Lookout verstanden. Der Angels Landing Trail zweigt also dort oben erst vom West Rim Trail ab. Der West Rim Trail selbst verläuft vom Zion Canyon bis hoch in die Nähe von Lava Point im Kolob Terrace Bereich des Parks. Bereits kurz hinter dem Abzweig zu Angels Landing eröffnen sich traumhaft schöne Aussichten, die wir heute genießen wollen.

Blick in den Zion Canyon vom West Rim Trail

Blick in den Zion Canyon vom West Rim Trail

Der erste Schock erwartet uns gleich am Visitor Center: zu früher Morgenstunde steht hier bereits eine Menschenschlange und wartet auf den Shuttle Bus. Sogar Personal ist nötig, um den Guest Flow zu regeln. „Waiting time from this point: 30 min“ erinnert uns an Warteschlangen in Themenparks!

Wochentags in der Vorsaison um 8:30 Uhr am Shuttle Bus

Wochentags in der Vorsaison um 8:30 Uhr am Shuttle Bus

Zion Canyon – Spielplatz des Grauens

Doch das ist nichts gegen das Verhalten unserer Mitmenschen (Menschen?), welches wir auf dem West Rim Trail zwischen dem Grotto Trailhead und Scout Lookout erleben. Was ist eigentlich los? Wo haben wir Menschen dieses dumme und ignorante Verhalten gelernt?

Okay, die Überfüllung der National Parks ist die eine Sache…asoziales und respektloses Verhalten gegenüber Mitmenschen und Tieren ist eine andere Sache, die wir absolut nicht dulden!

Beispiel 1: Dümmer geht’s nicht

Auf den Spitzkehren kurz vor Scout Lookout, die auch unter dem Namen Walters Wiggles bekannt sind, brüllen sich über mehrere Höhenmeter zwei Frauen an und geben sich Anweisungen für das „perfekte“ Foto. Ein dezenter Hinweis unsererseits, daß Brüllen hier nicht angebracht sei, wird mit einem „Ich versteh nicht, was Du von mir willst“-Blick beantwortet.

Gleichzeitig finden die Damen, daß der Aufstieg ja sehr anstrengend sei. Ach ja? Ich kann´s mir nicht verkneifen und motiviere sie: “ There’s a Starbucks up there…it’s new!“ Jetzt hab ich die volle Aufmerksamkeit: „Oh, really?“ ist die freudig erregte Antwort…

Beispiel 2: Es geht doch dümmer

Ebenfalls auf Walters Wiggles kommen uns Menschen entgegen, die plärrende Musik (wenn man es so nennen kann, ist ja Geschmackssache) aus qualitativ minderwertigen Lautsprechern hören und netterweise alle anderen Leute auf dem Trail daran teilhaben lassen. Was stimmt denn mit Euch nicht? Seid Ihr überhaupt in der Lage, irgendetwas um Euch herum wirklich wahrzunehmen? Und warum quält Ihr Tiere und andere Menschen auf dem Trail?

Walters Wiggles - die berühmten Spitzkehren auf dem West Rim Trail

Walters Wiggles – die berühmten Spitzkehren auf dem West Rim Trail

Beispiel 3: Und es geht noch dümmer

Auch unterhalb von Walters Wiggles befinden sich noch mehrere steile Spitzkehren. Hier treffen wir auf eine Gruppe relativ junger Menschen, von denen nicht ein Einziger Wasser, Snacks, einen Rucksack oder auch einen Hut dabei hat. Ärmellose Shirts und ein Sporthöschen, Hauptsache das Outfit stimmt. Einer der Jungs steht mitten auf dem Trail und kotzt einen fetten Strahl. Die anderen stehen um ihn herum und schütten sich aus vor Lachen. Geht’s denn noch?

Wir bitten den Typ, sich an die Seite zu stellen und nicht mitten auf den Trail zu kotzen. Bei so einem überhitzten Gehirn fällt es natürlich schwer, unsere Worte zu verarbeiten. Er stellt sich abseits des Trails auf die Seite zum Canyon hin und kotzt locker weiter. Muss ich noch sagen, daß direkt unter ihm auch noch Leute auf dem Trail unterwegs sind?

Asozial, dumm und ignorant – wie Du und ich es ändern können

In all den Jahren (oder besser Jahrzehnten), die wir den Südwesten und die National Parks jetzt bereisen, haben wir schon sehr viele seltsame Verhaltensweisen beobachtet. Was wir jedoch dieses Mal, im Jahre 2018, im wunderschönen Zion National Park an einem einzigen Tag innerhalb weniger Stunden erleben mussten, das fanden wir wirklich unglaublich und auch erschreckend. Wir fragen uns, wohin diese Entwicklung führen wird…

Es macht absolut Sinn, das eigene Verhalten regelmäßig neu zu überdenken. Wie verhalte ich mich? Gegenüber Mitmenschen, gegenüber Tieren, gegenüber der Natur? Was kann ich an meinem Verhalten ändern, um die Natur in den Parks zu genießen und es auch anderen zu ermöglichen, sich entsprechend zu entfalten. Wie halte ich meinen Einfluß auf die Tier- und Pflanzenwelt möglichst gering?

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13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Silke, ich kann leider nicht direkt auf deine Antwort antworten, deswegen so… Ich bin im Grand Canyon über den South Kaibab & Tonto Trail zum Bright Angel Campground und über den BA Trail zurück zur South Rim. Habe leider kein Permit für den Cottonwood Campground bekommen, sodass ich nicht wie ihr von Rim zu Rim wandern konnte. War aber trotzdem superschön! 🙂

    Also ich kann die Westrim (bzw den Trans Zion Trek) vom Zion NP nur empfehlen! Sehr schön, einfach, mit super Ausblicken. Und wirklich auch einsam, je weiter man von der Rim weg kommt. Der Abstieg sollte dich nicht von einer Trekkingtour dort abhalten :). Ich fand es war am schlimmsten direkt auf dem Angels Landing Trail, ich bin Nachmittags runter und dann war auf dem West Rim Trail nicht mehr soo viel los. Und wie gesagt, so schlimme Begegnungen wie ihr hatte ich zum Glück nicht. Es war auf dem Rim Trail sogar fast angenehmer als der letzte Teil vom Grand Canyon, da waren so viele parfümierte komische Leute unterwegs… Leider ist das ja oft am Ende von tollen Trekkingtouren so, dass man dann in das Gebiet von Tagestouristen kommt und sich dann wie ein Alien fühlt 😉

  2. Hallo ihr lieben, ich war dieses Jahr auch im Mai im Zion NP (übrigens hat mir euer Blog sehr bei der Planung meiner Grand Canyon Wanderung geholfen, danke an dieser Stelle dafür 😉 ). Ich war auch über die lange Schlange vorm Shuttle entsetzt, hatte davor aber schon gelesen, dass es einer der meistbesuchten NP’s in den USA ist  – obwohl er recht klein ist. Am ersten Tag habe ich die Wanderung vom Observation Point gemacht und dachte noch, es verteilt sich ja ganz gut im Canyon, da gar nicht soo viel los war. Am zweiten Tag bei der Narrows Wanderung war ich allerdings entsetzt, was da im Eingangsbereich an Menschenmassen unterwegs sind. Wobei es sich weiter hinten dann schon ausgedünnt hat, und Vormittags waren wir im Orderville Canyon auch fast alleine.
    Als ich am Ende einer mehrtägigen Trekkingtour im westlichen NP dann über Angels Landing abgestiegen bin, war ich auch gelinde gesagt genervt. Ich glaube, alle Besucher steuern einzig und allein diese zwei Hikes an. Zum Glück hatte ich nicht so verrückte negative Erlebnisse/Begegnungen wie ihr, es war einfach nur die Hölle los und ich habe mich mit meiner Trekkingausrüstung ganz schön fehl am Platz gefühlt ;). Ich glaube aber, ihr hattet besonders Pech und habt einfach eine geballte Ladung Dummheit abbekommen, als ihr dort wart :(.
    Übrigens habe ich gelesen, dass ab nächstem Jahr ein Permit-System für die Narrows Wanderung eingeführt wird. Das ist zwar einerseits schade, aber ich glaube anders gehts nicht mehr. Je mehr Leute kommen, desto mehr Dumme kommen halt leider auch mit, die von Respekt vor der Natur keine Ahnung haben…
    Liebe Grüße 🙂

    • Danke für Deinen Erfahrungsbericht und Dein Lob. Welchen Hike hast Du denn im Grand Canyon gemacht?

      Ich kann total nachvollziehen, wie Du Dich mit dem großen Rucksack auf dem unteren Teil des West Rim Trail gefühlt haben musst. Wir würden auch gern mal dort trekken, aber ich hab auch echt etwas Angst davor, mit all diesen Idioten den Trail runter zu müssen, wenn ich selber eigentlich Platz und Ruhe brauche.

  3. Ja, da wo viele Menschen unterwegs sind, sind leider auch immer ein paar Vollidioten dabei. Wenn man dann was sagt, wird man noch doof angeschaut. Ein Teil der Menschheit ist leider gehirnamputiert ….

    Liebe Grüße
    Florian

    P.S: darum zieht es uns immer weiter in die Wildnis, einfach um diese Deppen nicht ertragen zu müssen

    • Oft Frage ich mich, ob die Leute überhaupt verstehen, was wir gesagt haben, oder ob dafür schon ausreichend Gehirn fehlt 😉

      Ja, die Konsequenz ist wohl, andere Orte zu suchen. Eigentlich dürften wir Blogger dann auch gar nicht darüber schreiben 🙂

      LG

  4. Hall ihr zwei, ja dasbringt die Internet Berühmtheit so mit sich.. leider ist das sehr traurig… ich verstehe Euren Frust. Wir sind ja im März im Zion gewesen und erschrocken wie viele Autos da schon gewesen sind. Als wir dann von Kanab nach St.Gerog gefahren sind war es Wochenende und die Amerikaner hatten glaub noch frühlingsferien. Es waren schon 3 oder 4 ausstell plätze vor dem Tunnel alles voll gestellt mit Autos alle wollen anscheinend dort vor dem Tunnel zum ViewPoint . Erschreckend viel war schon los. Ja für uns ist der Westen vorläufig mal auf Eis gelegt .. natürlich kennen auch wir viele Ecken ohne Menschen Ansammlung.
    Nie nächsten Ferien für uns ende August 4 Wochen in die Toscana und 2019 4 Wochen Norwegen. Weiter wissen wir noch nicht..Kanada oder Yellowstone, ja ich weiss Yellowstone ist ja auch überlaufen, aber wenn wir ihn schon im Mai besuchen, dann wen erst das Lamar Valley mit dem eigenen Auto zugänglich ist, dann wird noch nicht so viel los sein.

    Gruss Roland

      • Ich werde im Juli die Ferien 2019 eintragen können und hoffe Ende September bis Ende Oktober ist dann nich frei.. dann werden wir auf jeden fall dort hingehen

  5. Wir waren auch im Mai im Zion und wollten die Narrows machen. Um 8:30 morgens war der grosse Parkplatz voll, und die Warteschlangen am Shuttle gewaltig. Wir haben uns dann entschieden, weiter zu fahren. So macht Hiken keinen Spaß.

    • Ja, da hast Du absolut Recht. Ich bin froh, daß wir uns für keinen weiteren Hike im Zion Canyon entschieden haben. Das würde ich jetzt wohl nur noch im Winter machen und die Narrows vielleicht als Trekkingtour flußabwärts.
      LG

  6. Es ist so traurig, dass ihr einen solchen Tag erleben musstet. Leider bleibt so etwas immer irgendwie besonders hängen, Das dumme ist, dass man schlichtweg machtlos ist. Wenn man was sagt, wird man noch angemacht. Wir haben im Teton auf einer Camp-Side mal den Kopf geschüttelt über eine Gruppe von amerikanischen jungen Leuten….und wurden dafür böse angemacht. Die waren bei 38° Grad sturzbetrunken unterwegs, sprangen in den See, das nächste Bier…, und noch eins, usw…
    Die Dummen sterben nicht aus. Wir haben uns vom Acker gemacht…!

    • War für uns persönlich gar nicht so schlimm, denn wir waren die meiste Zeit abseits unterwegs. Es war nur ein relativ kurzes Stück auf dem Trail und es hat uns die Schönheit der Landschaft nicht vermiesen können.
      Erschreckend ist die Entwicklung…solches Verhalten haben wir vor etwa 10 Jahren noch nicht beobachten können in dieser Intensität. Ich frag mich, was die Leute von zu Hause für eine Erziehung mitbekommen und warum Respekt einfach nichts mehr wert ist. Ähnliches beobachten wir hier in Deutschland ja auch im Straßenverkehr: zunehmender Krieg, Egoismus, Ignoranz, Leichtsinn, Überheblichkeit.

      Hut ab, daß Ihr die Jugendlichen angesprochen habt!

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